Blog: Schreiben in Zeiten von Corona

Das Home-Office ist für viele aktuell eher die Regel als eine Ausnahme. Für alle, die sich regelmäßig mit dem Erstellen von Texten beschäftigen, sei es nun beruflich oder als Hobby, ist das Arbeiten am heimischen Schreibtisch hingegen nichts Neues. Schwierig wird es, wenn man seine Texte vorstellen und über sie sprechen möchte.

Viele Köche verderben anggeblich den Brei, und auch bei Meinungen über Texte, die der Natur der Sache stark auseinandergehen können, sollte man nicht den Anspruch haben, jeder davon gerecht zu werden. Dennoch sind kritische Anmerkungen von verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Lese- und Schreibgewohnheiten unglaublich hilfreich.

Diese Erfahrung durfte ich in den letzten Jahren immer wieder machen. In zunächst einer und inzwischen in gleich zwei Erlanger Autorengrupen (Schreibwerkstatt und Wortwerk) präsentiere ich bei regelmäßigen Treffen meine eigenen Texte und beteilige mich an den Diskussionen zu denen der Anderen.

Die Treffen der beiden Gruppen folgen indes unterschiedlichen Konzepten, die einander gut ergänzen. In der Schreibwerkstatt einigen wir uns auf Themen und schreiben zum nächsten Mal dazu einen Text. Dies wirkt für mich als kreativer Input, da meistens schon ein unerwartetes Reizwort reicht, um auf interessante neue Ideen zu kommen. Beim Wortwerk kann ich vortragen, was immer auf meinem Tisch liegt, sei es ein Konzept-Kapitel zu einem potentiellen Roman oder ein Gedicht auf Polnisch (Ja, da habe ich schon einmal eins geschrieben. Es ist… ausbaufähig).

Diese Treffen finden aktuell aufgrund der Ausgehbeschränkungen nicht statt, zumindest nicht in ihrer üblichen Form. Die einfachste Variante wäre natürlich ein Gruppenanruf bei Skype, Google Hangouts oder ähnlichem. bei dieser einfachsten aller Möglichkeiten verhält es sich aber wie mit dem rechtzeitigen Erscheinen zum Unterricht, wenn das Kind direkt neben der Schule wohnt: Sounds good, doesn’t work.

Dennoch haben sich in beiden Schreibgruppen relativ schnell Lösungen gefunden, die perfekt an das dahinterliegende Konzept anknüpfen. In der Schreibwerkstatt haben wir uns nach langem Hin und Her zu einer zunächst umständlich wirkenden Lösung entschlossen: Jedes Mitglied hat seine eigene Whatsapp-Gruppe nach dem Schema „[Name] Texte“ bekommen. Dort kann jeder seinen Text jederzeit einstellen, die anderen können sie in den entsprechenden Gruppen (und nur in diesen) kommentieren. Dem üblichen Wirrwarr klassischer Whatsapp-Gruppen gehen wir damit bisher gut aus dem Weg.

Tatsächlich bringt dies einige Vorteile mit sich. Normalerweise lesen und kommentieren wir alle mitgebrachten Texte in einem Zeitfenster von knapp zwei Stunden. Bei bis zu acht auf einmal Anwesenden kann das mitunter sehr knapp bemessen sein. Darüber hinaus mussten wir in den letzten Monaten einige Auswanderungen in Kauf nehmen, die unsere Gruppenstärke reduziert haben. Diese Emigrierten können sich in diesem Format jedoch wie gehabt an den „Treffen“ beteiligen.

Im Rahmen der ersten Themenwoche zum Thema „Krankheit“ ist dann das entstanden, was perfekt zu dem passte, was sich im Wortwerk tat. Dort hat jemand über E-Mail den Vorschlag gebracht, man könne doch gemeinsam in dieser Zeit eine Anthologie veröffentlichen, um damit dem ein oder anderen das Zuhausebleiben zu verschönern. Unter den Arbeitstiteln „Quaranthologie“ und „Neo-Dekameron“ ist dabei innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Textsammlung entstanden (meinen Beitrag „Abgesang“ werde ich am kommenden 1. April auch hier veröffentlichen). Der Initiator arbeitet gerade intensiv an Layout und Lektorat und das Ergebnis kann vielleicht schon bald präsentiert werden.

Es ist wirklich motivierend zu sehen, wie viele Menschen sich von den Umständen, die das Coronavirus mit sich bringt, nicht unterkriegen lassen. Damit meine ich auch die vielen Geschäfte, die auf Lieferdienste umgestellt haben, die Freischaffenden, die sich in der Streaming-Welt ausprobieren, und sogar einfach die, die endlich mal entdeckt haben, dass der schöne Balkon, den sie haben, nicht nur da ist, um ihn vom Wohnzimmer aus betrachten zu können.

Liebe Grüße und bleibt gesund,

Adrian

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