Die vier Gänge der Geschmacksoffenbarung

Aperitif: Gruß aus der Küche
 
Ein Haar in seinem Weißweinglas,
gekräuselt und gewellt,
er ist sich ziemlich sicher, das
hat er so nicht bestellt.


Vorspeise: Butterbrot
 
Die Frau will auf ein Mehrkornbrot
dem Manne etwas streichen,
sie hat nur Butter, doch zur Not
wird diesem das schon reichen.
 
Mit viel Bedacht streicht sie das Fett
mit ihrem Buttermesser.
Ihr Gatte liegt jetzt noch im Bett,
er könnte es nicht besser.
 
Nur etwas später, gleicher Ort,
man hört’s im Hause hallen.
Das Brot fliegt aus dem Fenster fort,
es hat ihm nicht gefallen.
 
Das Buttermesser in der Hand,
ihr Gatte war erbleicht.
Es war zu wenig, wie er fand,
das hat ihr dann gereicht.


Hauptgang: Aus der Fritteuse
 
Blass und völlig ausgehungert
Jesus vor der Kirche lungert,
ruft den Vater in der Not:
„Bring mir Wasser, bring mir Brot!“
Und von seinem hohen Throne
spricht der Herr zu seinem Sohne:
„Chicken Nuggets sollst du kriegen
um den Hunger zu besiegen.
Erdäpfel dazu, frittiert,
 ein güld’nes „M“ dein Mahle ziert“
„Aber Vater, weißt du nicht,
was geschieht für solch Gericht?
Hühner in abnormen Zahlen
sterben unter großen Qualen.“
„Lieber Sohn, du kleiner Narr,
dies ist mir natürlich klar.
Bin allwissend, keine Frage,
nun lass ab von deiner Klage.
Nichts geht über den Geschmack
der Nuggets hier im Neunerpack.
Ketchup, Majo und Süß-Sauer
mag der König, mag der Bauer.
Pommes, Cola, kein Salat
hat das Mc-Menü parat.
Gönn dir reichlich, zieh’s dir rein,
dein Gott sprach: So soll es sein!“
Und so reicht er von dem Throne
Ein Menü herab dem Sohne.
Doch der Sohn lehnt ab getrost,
was den Herrn sogleich erbost.
„Vater, halt vor Augen dir,
deine Schöpfung, dieses Tier!
Unrecht willst du doch vermeiden,
lässt es trotzdem derart leiden?“
„Sohn, das Huhn soll bloß bezwecken,
Konsumenten gut zu schmecken.
Spaß soll’s machen zu verzehren
dieses Tier dem Herrn zu Ehren.
Beiß doch ab und spür, wie zart
Sich dieses Fleisch dir offenbart.“
„Aber Vater, Fleisch ist Mord!
Nimm solch Grauen von mir fort.“
„Du lieber Sohn, komm nimm von mir.
Gar schöne Mahlzeit geb ich dir.
Manch gold Frittiertes dir zur Hand
im herrlich roten Pappgewand.“
„Höret, Leute, hört ihr nicht,
was mein Vater zu mir spricht?“
„Was ist mit ihm?“ fragt wie gebannt
und mit Erstaunen ein Passant.
„Das weiß ich nicht“, ein and’rer meint,
„Ernährungsmangel, wie mir scheint.“
 
 
Nachtisch: Zuckersüßes
 
Ritter Sport und Haribo
Machen dich nicht ewig froh.
Merkst es erst, wenn es zu spät is’:
Glückwunsch, du hast Diabetes.

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