Die Fledermaus und der Dachs

Eine Fledermaus hing einmal nebst einigen Stalaktiten kopfüber an einer Höhlendecke in Erwartung der einbrechenden Nacht. Während sie so wartete, kam ein Dachs daher und trottete durch die Höhle. Die Fledermaus bemerkte ein Loch im Höhlenboden, und der Dachs ging direkt darauf zu.

„Hey, Dachs, über dir!“, schallte es aus dem Munde der Fledermaus. Der Dachs wandte sich ihr zu, bemerkte das Loch nicht und fiel hinein.

Nur wenig später streunte ein Fuchs durch die Höhle.

„Hey, Fuchs, über dir!“, rief die Fledermaus. Der Fuchs schaute an die Höhlendecke, übersah ebenfalls das Loch und fiel hinein.

Kurz vor Einbruch der Nacht stapfte ein Wildschwein in die Höhle.

„Wildschwein, schau mal nach oben!“, rief die Fledermaus, und auch das Wildschwein blickte zur Fledermaus, lief geradewegs auf das Loch zu und fiel hinein.

Eine weitere Fledermaus gesellte sich dazu.

„Und, alles klar?“, fragte sie.

„Bei mir ja“, antwortete die erste Fledermaus, „Aber es laufen schon den ganzen Tag Tiere in das Loch auf dem Höhlenboden. Ich habe immer versucht, sie zu warnen, aber dann haben sie nur zu mir runter geschaut und sind hochgefallen.“

Es war Pech für die Tiere, dass die Fledermaus das Konzept von Oben und Unten nur aus egozentrischer Perspektive heraus verstand.

Es war Glück, dass das Loch sowieso nicht sehr tief war. Lediglich der Dachs hatte sich den Fuß verstaucht und war grimmig zum Orthopäden davongehumpelt, weshalb seine Beteiligung an dieser Geschichte kürzer war, als der Titel vermuten ließe. Aber wer will ihm das schon verübeln?

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