Das Maultier und das Zebra

Ein Maultier sah sich einst zwischen Eseln stehen, und sie waren ihm nicht wohlgesonnen.

„Du bist doch auch nur ein Esel“, grölte einer gereizt, „wie dein Vater auch!“

„Du denkst wohl, du seist besser als wir“, plärrte ein anderer, „nur, weil deine Mutter ein Pferd ist!“

Und das Maultier zog weiter und gesellte sich an die Seite einer Herde von Pferden, die ihm ebenfalls nicht zugeneigt waren.

„Du denkst wohl, du seist einer von uns“, johlte ein Pferd hämisch, „nur, weil deine Mutter ein Pferd ist!“

„Du bist doch letztlich nur ein Esel“, wieherte ein anderes, „wie schon dein Vater!“

Und das Maultier stellte sich zwischen die beiden Gruppen, ließ sich fallen, und blieb einfach liegen.

Da kam ein Zebra vorbei, auf der Suche nach Gleichgesinnten.

„Bist du ein Esel?“, fragte das Zebra.

„Nicht ganz“, antwortete das Maultier.

„Sehr gut“, erwiderte das Zebra. „Die sind immer so stur. Bist du ein Pferd?“

„Auch nicht ganz“, antwortete das Maultier.

„Umso besser“, erwiderte das Zebra. „Die sind immer so eingebildet. Was bist du dann?“

„Ich…“, setzte das Maultier an.

„Perfekt!“, unterbrach das Zebra. „Genau danach habe ich gesucht.“

Und gemeinsam adoptierten sie ein Pony, denn trotz ihrer Zuneigung zueinander konnten sie sich über die Unfruchtbarkeit des hybriden Maultiers nicht hinwegsetzen. Aber das war letzten Endes auch in Ordnung.

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